Hintergrund des Projekts

Wie in einigen europäischen Nachbarländern sollen auch in Deutschland die Verbrauchsmengen von Antibiotika in der Nutztierhaltung kontinuierlich erfasst werden. Da sich die Verordnungswege in Deutschland grundsätzlich von den übrigen EU-Staaten unterscheiden, können dort etablierte Monitoringkonzepte nicht übernommen werden. Es ist daher erforderlich, für die Erhebung entsprechender Daten in Deutschland neue Wege zu beschreiten.

Die Idee des Konzeptes ist, Daten zu sammeln, welche die Tierärzte und Landwirte bereits verpflichtend erfassen müssen. Tierärzte müssen für Medikamente, die sie verabreichen oder abgeben, Arzneimittelanwendungs- und Arzneimittelabgabebelege ausfüllen, - Landwirte tragen diese Informationen in ihre Stallbücher ein.
Vom Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig wurde eine zentrale Datenbank wurde entwickelt. In diese werden die Daten durch Mitarbeiter der Studie eingepflegt. Alle Daten werden unter Einhaltung der Vorgaben der Datenschutzgesetze in pseudonymisierter Form erhoben. Durch die Verknüpfung der Datenbank mit dem Veterinärmedizinischen Informationsdienst für Arzneimittelanwendung, Toxikologie und Arzneimittelrecht VETIDATA können aus den Angaben der eingesetzten Arzneimittel Art und Menge des darin enthaltenen Wirkstoffs berechnet werden.

Machbarkeitsstudie

Im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wurde in den Jahren 2007 und 2008 bereits eine Vorgängerstudie, eine sogenannte Machbarkeitsstudie, durchgeführt. Hierbei wurde untersucht, ob es überhaupt realisierbar ist, Verbrauchsmengen von Antibiotika in vollständiger Form zu erfassen.
An dieser Machbarkeitsstudie nahmen 66 landwirtschaftliche Betriebe aus einem Landkreis in Nordrhein-Westfalen freiwillig teil, und gewährten Zugang zu den Bestandsbüchern. Des Weiteren beteiligten sich 24 tierärztliche Praxen aus 5 Landkreisen Niedersachsens.
Die Erfassung der Daten des Zeitraumes vom 1. September 2006 bis 31. August 2007 erfolgte aus den Bestandsbüchern bzw. den Arzneimittelanwendungs- und -abgabebelegen.

Pilotstudie

Dieses Projekt wird nun in einer Pilotstudie fortgesetzt. Im Frühjahr 2012 werden in insgesamt acht Landkreisen Deutschlands Daten zum Antibiotikaeinsatz in landwirtschaftlichen Betrieben sowie in tierärztlichen Praxen erfasst. Die Auswahl der Landkreise und Betriebe erfolgt so, dass ein für Deutschland repräsentatives Bild entsteht, welches innereuropäisch vergleichbar ist. Neben den teilnehmenden Tierärzten in den einzelnen Studienlandkreisen, nehmen deutschlandweit zusätzlich weitere Tierärzte freiwillig an dem Projekt teil.

Mit der jetzigen Studie soll ausschließlich erfasst werden, welche Antibiotika wie häufig eingesetzt werden, sie dient weder der Kontrolle der Tierärzte noch der Antibiotika-Leitlinien oder der Verabreichung verbotener Substanzen. Für Kontrollaufgaben sind die Überwachungsbehörden zuständig, die an der geplanten regelmäßigen Datenerhebung nicht beteiligt sind.